Was - um Himmels Willen - ist ein Psycheps?

Ein unsichtbarer Muskel

Der Psycheps begegnet Ihnen auf meiner Webseite, in meinen Seminaren, in meinen Artikeln überall. Er ist der kleine Kerl hier oben auf der Seite, mit dem Omega-Körper, den wachen Augen und dem feinen Lächeln. Ich habe ihn erfunden - oder soll ich sagen, ich habe ihn entdeckt? - als ich aufhörte zu Rauchen. Seither ist er nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Wenn ich ihn mal vernachlässige, bereue ich das meistens ziemlich flott.

 

Aber wer ist er nun, der Psycheps?

 

Jeder von uns kennt den Bizeps und den Trizeps, die Muskeln an unseren Oberarmen. Viele haben sich schon mit dem Training dieser beiden beschäftigt, mal mehr, mal weniger intensiv. Allseits bekannt ist die Tatsache, dass man Muskeln trainieren muss, wenn sie wachsen sollen. Was im umgekehrten Fall bedeutet, dass sie erschlaffen oder sogar schrumpfen, wenn wir uns nicht um sie kümmern.

 

Nachdem ich meine letzte Zigarette geraucht hatte, gab es einige Situationen, in denen es mir sehr schwer fiel, stand zu halten. In den ersten Tagen war das praktisch ständig so. Nach einiger Zeit fiel mir auf, dass zum einen das Verlangen nach Nikotin langsam schwächer wurde und es zum anderen auch nicht mehr so oft auftauchte wie zu Beginn. So weit ist das ja wohl normal, werden Sie jetzt denken. Ist es auch. Jeder Mensch, der schon einmal durch einen Entzug ging oder sich etwas abgewöhnen wollte, kann das bestätigen.

 

Bis dahin hatte ich allerdings nur den Faktor Zeit im Blick. Nach einem Tag ohne Zigaretten ist das Verlangen sehr stark, nach einer Woche ist es schon deutlich schwächer, nach einem Monat kommt es nur noch selten ... wobei diese Zeitangaben natürlich individuell sind, da hat jeder Körper (und jede Seele) ihren ganz eigenen Takt.

 

Mir ist damals bewußt geworden, dass nicht nur die Zeit der Abstinenz eine Rolle spielt, sondern auch die Anzahl der erfolgreich überwundenen Suchtattacken. Jedes Mal, wenn mich das Verlangen nach Nikotin plagte und ich widerstehen konnte, war ich danach stärker. Ich hatte gewonnen, ich war stolz. Besonders stolz war ich natürlich, wenn die Attacke sehr heftig ausgefallen war.

 

Und hier kommt der Psycheps in Spiel. So wie der Körper Muskeln hat, so hat auch unsere Seele bildhaft gesprochen einen Seelen-Muskel, den Psycheps. Und dieser segensreiche Muskel wächst, wenn wir ihn trainieren. Jedes Mal, wenn ich dem Drang zu Rauchen widerstehen konnte, wurde mein Psycheps ein klein wenig kräftiger und größer. Das hatte nicht nur zur Folge, dass ich den Attacken immer besser und souveräner begegnen konnte, sie wurden auch noch seltener. Heute - nach über zehn Jahren ohne Nikotin - brauche ich meinen Psycheps für völlig andere Aufgaben, das Rauchen juckt mich nicht mehr.

 

Wozu trainiere ich den Psycheps?

 

Dennoch pflege und trainiere ich meinen kleinen Freund, so oft ich daran denke. Er hat inzwischen einen ganz anderen Platz eingenommen als zu Anfang und wird in vielen verschiedenen Lebenslagen gebraucht. Mir ist bewusst, dass er kleiner wird und schwächer, wenn ich nichts für ihn tue. Zuerst merkt man das gar nicht. Doch werden die Momente, in denen man vor einer Herausforderung kneift, häufiger. Die Selbstvorwürfe bei vermeintlichem Versagen werden lauter. Das Gefühl, nichts auf die Reihe zu bekommen, wird stärker und überdeckt die vielen kleinen Erfolgserlebnisse, die man schon verbuchen kann.

 

Daher ist es enorm wichtig, immer wieder mal kurze Übungseinheiten für den Psycheps einzulegen. Das Training, das ich am liebsten mache, heisst: Kleine Ängste überwinden. Das können Sie auch. Vereinbaren Sie endlich den Zahnarzttermin, vor dem Sie sich etwas fürchten. Sprechen Sie die neue Nachbarin an, die Ihnen so sympathisch erscheint.  Kaufen Sie sich das knallrote Shirt und tragen Sie es dann auch! Es gibt genügend Beispiele, versuchen Sie es und Sie werden staunen, wie gut das Ihrem Psycheps tut!

 



Ich will euch mein Erfolgsgeheimnis verraten: Meine ganze Kraft ist nichts anderes als Ausdauer.

(Louis Pasteur, 1822 - 1895)

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Kommentare: 2
  • #1

    Sarah Nigisch (Dienstag, 06 Juni 2017 21:02)

    Wow,toller Artikel.
    Und so wahr!
    Auf das alle Psychepse dieser Welt wachsen und gedeihen...

  • #2

    Marion (Mittwoch, 07 Juni 2017 17:16)

    Vielen Dank, liebe Sarah!