Nicht Rauchen - Verzicht oder Gewinn?

Im April 2007 habe ich das Rauchen eingestellt. Allerdings gab es schon in den Jahren davor einige Versuche, rauchfrei zu leben. Manche dieser Versuche dauerten nicht länger als zwei oder drei Stunden, einer ging sogar über drei Tage. Diese drei Tage werde ich niemals vergessen, ich habe sie quasi durchgeweint. Ich konnte einfach nicht aufhören zu weinen. Das war so schrecklich, dass mir mein Mann am Ende einen Aschenbecher und eine brennende Zigarette ins Badezimmer brachte (in dem ich weinend auf dem kalten Fußboden saß), und mich in strengem Ton aufforderte, endlich wieder zu rauchen. Das könne ja kein Mensch ertragen. Und ich rauchte wieder.

Heute weiss ich, dass meine innere Einstellung viel zu diesem schrecklichen Zustand beitrug. Von meiner Entscheidung für den Rauchstopp an bis zum ersten Tag ohne Kippe habe ich mich jede Minute gefürchtet und mich selbst bedauert. Wie sollte ich denn jemals wieder eine Tasse Kaffee geniessen - ohne Zigarette? Wie sollte ich bei der Arbeit zu meinen kleinen Pausen kommen - ohne zu rauchen? Was sollte ich nur nach dem Essen mit mir anfangen, wenn ich nicht rauchen durfte? Was macht eine Nichtraucherin in den Werbepausen? Schliesslich kann man ja nicht alle halbe Stunde zur Toilette gehen... Und überhaupt, die Toilette!

Kurzum, ich sah nur den Verzicht.

Bis ich dann endgültig mit dem Rauchen aufhörte, verging einige Zeit. Ich dachte viel nach über das Rauchen, wie es angefangen hatte, wie es sich weiter entwickelte und mit wie vielen Situationen ich es in meinem Leben eng verbunden hatte. Irgendwann wurde mir klar, dass ich nicht die Chefin in meinem eigenen Kopf war. Ein erheblicher Teil meines Tages und meines Denkens war ich mit Rauchen beschäftigt, ohne es wirklich zu wollen.

 

Von diesen Gedanken aus war es nur ein kleiner Schritt zu einer Umkehr meiner Sicht. Was würde sich alles verbessern ohne die Zigaretten? Könnte ich nicht vielleicht leichter einschlafen, wenn mich das laute Fiepen meiner malträtierten Bronchien nicht mehr wach hielte? Hätte ich nicht mehr Geld zu meiner freien Verfügung? Könnte ich nicht mehr Zeit mit meinen nichtrauchenden Freundinnen verbringen? Wäre es nicht leichter, ein Meeting durchzustehen ohne ständig mit einem Auge auf die Uhr zu schielen? Wäre es nicht schöner, entspannt einen lieben Menschen zu umarmen, ohne Scham weil man so nach kaltem Rauch riecht?

Und so bin ich dann auch in meinen endgültigen Rauchstopp gegangen, mit genau diesen Gedanken. Natürlich war es trotzdem hart, positive Gedanken können uns nicht jedes unangenehme Gefühl ersparen, aber es war deutlich leichter als die Male zuvor. Und tatsächlich ließ das Fiepen meiner Bronchien schnell nach, der Geldbeutel leerte sich nicht mehr so rasch, ich hatte mehr fröhliche Treffen mit meinen Freundinnen und so weiter. Dazu kamen einige positive Auswirkungen, mit denen ich gar nicht gerechnet hatte: meine bis dato immer weisse Zunge wurde plötzlich wieder rosa! Ich hatte insgesamt mehr Zeit zur Verfügung, weil ich nicht mehr fünf Minuten früher irgendwo sein musste, damit ich noch schnell eine rauchen konnte. Meine Wohnung roch besser. Ich wachte morgens frisch und ausgeruht auf, mein Denken war so klar wie lange nicht mehr. Ich habe viel besser durchgehalten - bis heute, immerhin schon über zehn Jahre!

Ganz sicher läßt sich sagen, dass Nichtrauchen auf jeden Fall ein Gewinn ist. Wir lassen etwas weg und bekommen dafür eine Fülle an Neuem, Schönem, oft auch Überrraschendem. Versuchen Sie es, Sie werden staunen!

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