Was wird besser ohne Qualm?

In unzähligen Büchern und Zeitschriften ist nachzulesen, wie sich der Körper nach einem Rauchstopp positiv verändert. Wir wissen alle, dass das Risiko für Lungenkrebs, Schlaganfall und Herzinfarkt drastisch sinkt, wenn wir nicht rauchen. Davon soll heute nicht die Rede sein. Es gibt eine Menge weitere kleine und große Veränderungen, die wir nach so einem Schritt erwarten können. Hier sind einige Beispiele aus meiner Erfahrung:

Als erstes ist mir meine rosafarbene Zunge aufgefallen. Seit ich denken konnte, hatte ich ein weiß belegte Zunge. Darüber hatte ich nie groß nachgedacht, aber als sie rosa wurde, fiel es mir auf. Schon nach wenigen rauchfreien Tagen war der Belag weg. Heute gruselt es mich, wenn ich überlege, was da wohl drin war. Will ich gar nicht so genau wissen, ehrlich gesagt. Inzwischen taucht der Belag nur noch auf, wenn mich die jährliche Erkältung piesackt.

Als nächstes habe ich festgestellt, dass die gelbe Färbung meiner Finger endlich verschwand. Das hat schon etwas länger gedauert, dafür kam sie nie wieder. Diese Farbe am ersten Fingerglied kennen alle Ketten-raucher, vor allem die mit den Selbstgedrehten. Sie erscheint wie eingewachsen. Ist sie aber nicht. Meine Haut ist insgesamt viel schöner geworden, der fahle Grauton verlor sich in wenigen Wochen. Der ist mir übrigens erst aufgefallen, als er weg war. Heute erkenne ich daran einen Raucher auf 50 Meter Entfernung.

 

Zu meiner Überraschung hat sich meine Schlafqualität enorm verbessert. Ich wache inzwischen morgens auf und bin sofort glasklar im Kopf. in den Jahren davor hatte wirklich ein diffuser Nebel meine Denkfähig-keit eingetrübt, in den ersten Morgenstunden hätte ich die einfachsten Aufgaben nicht lösen können. Ich bin insgesamt wacher im Kopf geworden. Früher habe ich fest geglaubt, mich ohne Zigarette niemals kon-zentrieren zu können. Geht Ihnen genauso? Es klappt, kann ich Ihnen versichern. Der Witz an dieser Geschichte ist folgender: Das Verlangen nach Nikotin läßt uns fahrig werden, nervös, unkonzentriert, die Gedanken schweifen immer wieder ab, die Aufmerksamkeit richtet sich auf die nächste Möglichkeit, zu rauchen. Dieser Zustand verschwindet zunächst, wenn wir uns eine Zigarette anzünden. Damit haben wir das Gefühl, uns durch die Zigarette konzentrieren zu können. Jedoch beseitigt die Befriedigung der Sucht nur genau den Mangel, den die Sucht selbst hervorgerufen hat.

 

Erstaunlicherweise habe ich nicht nur mehr Geld zur Verfügung, seit ich nicht mehr rauche, sondern auch mehr Zeit. Es ist unglaublich, wieviel Zeit das Rauchen kostet. Wie oft bin ich fünf Minuten früher irgend-wohin gegangen, damit ich dort noch schnell eine rauchen konnte! Wie oft habe ich den Satz gesagt "ich rauche noch schnell eine, dann..." Ich kenne jemand, der parkt beim Einkaufen immer möglichst weit weg vom Eingang des Ladens, damit er auf dem Weg zur Tür und zurück zum Auto jeweils noch schnell eine durchziehen kann. Entsprechend mehr Zeit benötigt er für seine Einkäufe.

 

Das Wertvollste, was ich durch meinen Rauchstopp gewonnen habe, ist mein Psycheps. Die Fürsorge für mich selbst, das Gefühl was für mich gut ist und was nicht. Der Stolz auf mich und auf das, was ich geschafft habe. Das Wissen, viel mehr schaffen zu können als ich mir vorstelle. Das Wissen, selbst die Chefin in meinem Kopf zu sein. Allein dafür hat es sich gelohnt!

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Kommentare: 2
  • #1

    Sigrid (Freitag, 18 August 2017 10:45)

    Das kann ich alles bestätigen!! Dazu kam noch, dass ich viel besser riechen konnte (auch ich selbst). Die Nase wird wieder sensibler, war sie doch Jahre lang "eingeraucht".
    Es grüßt, Sigrid

  • #2

    Marion (Freitag, 18 August 2017 20:22)

    Danke Sigrid, das ist tatsächlich auch ein großes Plus - der Geruchssinn verbessert sich deutlich, der Geschmackssinn oft auch. Griechische Forscher haben herausgefunden, dass sich bei Rauchern die Geschmacksknospen auf der Zunge deutlich verändern. Diese Knospen sind normalerweise knopf- oder pilzförmig und haben eine verdickte Oberfläche, bei Rauchern sind sie sichtlich flacher und schlechter durchblutet. (Pavlidis Pavlos (Aristoteles-Universität in Thessaloniki) et al.: BMC Ear, Nose and Throat Disorders, ) Freuen wir uns, dass sich das augenscheinlich wieder zu regenerieren scheint! Viele Grüße, Marion